Dein Hund trinkt plötzlich sehr viel? Dahinter können sich von Nervosität und Stress bis hin zu ernsthaften Erkrankungen zahlreiche Ursachen verbergen. Fällt dir übermäßiges Trinken bei deinem Hund auf, ist daher schnelles Handeln gefragt, denn nur in den seltensten Fällen verbergen sich dahinter harmlose Gründe. Hier erfährst du, worauf du achten und was du unternehmen musst.
- Hund trinkt viel zu viel
- Hund trinkt zu viel – was tun?
- Hund trinkt viel zu viel: Ursachen
- Hund trinkt zu viel – Wann ist ein Tierarztbesuch sinnvoll?
Hund trinkt viel zu viel
Wenn ein Hund viel oder zu viel trinkt, wird das in der Fachsprache als Polydipsie bezeichnet. Der Begriff bedeutet wortwörtlich viel (poly) und Durst(dipsie). Der große Durst bei deinem Hund kann, muss aber nicht, auf eine Erkrankung hinweisen.
Wie du den Auslöser herausfindest und welche Schritte du direkt am Anfang gehen solltest, erfährst du direkt hier:
Hund trinkt zu viel – was tun?
Trinkt dein Hund plötzlich gefühlte Unmengen, ist das schnell beängstigend. Dennoch ist es wichtig, dass du zuerst einige ausschlaggebende Informationen sammelst und einige Faktoren berücksichtigst.
Trinkmenge messen
Wie viel trinkt dein Hund wirklich? Und wie viel sollte ein Hund eigentlich trinken? Die Fragen sind einfach, die genauen Antworten darauf kennen nur wenige.
Deine erste Aufgabe ist es daher, die Trinkmenge möglichst genau zu messen. Miss das Wasser ab, bevor du es in den Napf gibst. Notier dir, wie viel, wie oft und wann du nachfüllst. Dadurch gewinnst du einen Überblick.
Berücksichtige dabei außerdem, dass nicht das komplette Wasser aus der Schüssel auch in deinem Hund landet. Manche Hunde schwemmen beim Trinken die Umgebung, andere tauchen ihren Bart ein. Dabei geht zumindest ein Teil des Wassers verloren.
Notier zusätzlich, wie viel Wasser du wegschüttest, weil es verschmutzt ist. Auch die Reste musst du also abmessen, um einen möglichst genauen Wert zu erhalten.
Futter einkalkulieren
Was hat dein Hund heute gegessen? Trockenfutter, einen geräucherten Schinkenknochen oder würzige Leckerlies? Oder standen stattdessen Nassfutter, ein Hundesmoothie und Wassermelone auf dem Speiseplan?
Ebenso wie beim Menschen erzeugen manche Nahrungsmittel deutlich mehr Durst als andere.
Auch langes Kauen auf Kaustangen, Trockenfleisch oder Knochen verbraucht mehr Flüssigkeit und erzeugt dadurch scheinbar übermäßiges Trinken.
Einflüsse beachten
Einflüsse auf das Trinkverhalten von Hunden werden oftmals unterschätzt. Einige sind den meisten Menschen zudem gar nicht bewusst. Zu ihnen gehören:
- Aktivität
- Aufregung
- Luftfeuchtigkeit
- Nervosität
- Temperatur
Aktivität, Aufregung und Nervosität sind miteinander verbunden. Zu diesem Komplex gehört das Spielen mit anderen Hunden und Menschen ebenso wie Training, ausgiebiges Schnüffeln auf dem Spaziergang, die läufige Hündin nebenan oder langes Kauen.
Alles, was deinen Hund körperlich oder mental herausfordert, anstrengt, aufregt oder nervös werden lässt, kann den Durst steigern.
(Innere) Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielen ebenfalls entscheidende Rollen. Denkst du jetzt an die Hitze im Sommer? Das ist zwar richtig, aber nicht vollständig. Die Klimaanlage zum Fernhalten der Hitze aus Auto und Wohnung erzeugt trockene Luft. Ebenso wie die Heizungsluft im Winter.
Trockene Luft bedeutet wiederum einen größeren Flüssigkeitsbedarf allein durch das normale Atmen.
Trinkverhalten beobachten
Hat dein Hund heute nach langem Kauen, einer großen Runde oder dem neuen Training hastig gleich zwei Näpfe geleert und war der Durst danach gestillt?
Oder trinkt er kontinuierlich jede Wasserschüssel leer, ganz egal, wie oft du nachfüllst? Und das den ganzen Tag lang?
Zwischen diesen beiden Trinkverhalten liegen Welten. Während ein Hund der situationsbedingt viel trinkt gesund ist, spricht das durchgängig übermäßige Trinken für eine ernste Erkrankung.
Tierarzt konsultieren
Trinkt dein Hund anhaltend auffällig viel oder zeigt er andere Beschwerden? Bist du dir einfach unsicher, ob die Trinkmenge noch normal ist?
Wann immer du keine harmlose Ursache für den vermehrten Durst erkennen kannst oder dieser extrem ausfällt, such umgehend einen Tierarzt auf.
Hund trinkt viel zu viel: Ursachen
Du kennst bereits einige der Einflüsse, die zum vermehrten Trinken führen. Zusätzlich gibt es eine ganze Reihe weiterer Gründe, die die Polydipsie auslösen können. Je besser du Bescheid weißt, desto einfach kannst du die Ursachen voneinander unterscheiden.
Hitze
In der Sonne oder neben der Heizung liegen, langes Föhnen, 30 °C im Schatten – Hitze kann Hunden nicht erst im Sommer zu schaffen machen und wird von Menschen oft unterschätzt.
Während du dir den Sweater ausziehen, eine erfrischende Dusche nehmen oder ein Eis essen kannst, bleibt dem Hund meist nur das Hecheln. Darüber gehen Unmengen Flüssigkeit verloren.
Vergiss zudem nicht die innere Hitze. Manche Hunde regen sich schnell auf und laufen dadurch innerlich heiß. Puls und Stoffwechsel werden beschleunigt, was wiederum mehr Wasser verbraucht.
Erhöhter Flüssigkeitsbedarf
Schnüffeln, Kauen, trockene Luft, Trockenfutter, Trockenfleisch, körperliche Anstrengung, Wachstumsschübe und Medikamente können den individuellen Flüssigkeitsbedarf erhöhen.
In diesem Fall ist genaueres Hinsehen gefragt, um den genauen Auslöser zu finden.
Nervosität
Kennst du das? Du bist super aufgeregt oder nervös, hast Angst vor einem Treffen und deine Blase drückt? Dabei warst du doch gerade eben auf Toilette!
Harndrang aufgrund der Nervosität ist weder bei Hunden noch bei Menschen selten. Wer oft pinkeln muss, hat in der Folge auch mehr Durst. Logisch, oder?
Das ist aber nur einer der möglichen Wege, auf denen Nervosität zu vermehrtem Trinken führt.
Das Trinken kann auch eine Übersprungshandlung bei innerer Unruhe sein. Der Hund weiß nicht, was er mit sich anfangen soll und versucht, sich über das Trinken und Lecken zu beruhigen.
Organisch liegen hier keine Probleme vor, dennoch besteht Handlungsbedarf. Kontrollier die Haltung, finde einen passenden und beruhigenden Ausgleich, überprüfe die Ernährung und verwende beispielsweise Bachblüten als zusätzliche, entspannende Hilfe.
Diabetes
Trinkt ein Hund viel und muss dementsprechend ständig pinkeln, liegt bei vielen sofort eine Vermutung nahe: Diabetes.
Andere gehen hingegen davon aus, dass Hunde gar nicht an Diabetes erkranken können.
Der Test auf die Zuckerkrankheit ist simpel und mittlerweile ist eine gute Behandlung möglich. Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto mehr Möglichkeiten der Therapie stehen zur Verfügung und umso besser sind die Aussichten auf ein weitestgehend fittes Leben.
Magen-Darm
Probleme im Verdauungstrakt, Erbrechen und Durchfall gehen mit einem immensen Flüssigkeitsverlust einher. Trinkt dein Hund im Anschluss viel, solltest du dich freuen. Denn er gleicht lediglich das verlorene Wasser aus.
Halten die Probleme längere Zeit an, wirkt dein Hund schwach oder kennst du den Auslöser nicht: Such einen Tierarzt auf.
Blasenentzündung
Bei einer Blasenentzündung hat dein Hund einen gesteigerten Harndrang, leidet unter Schmerzen und oftmals unter einer erhöhten Körpertemperatur. Harndrang und erhöhte Temperatur oder Fieber lösen das vermehrte Trinken aus.
Weitere Symptome sind Tröpfeln, Probleme und Schmerzen beim Harnabsatz, Blut im Urin und Druckempfindlichkeit im Bereich des Bauches.
Läufigkeit, Trächtigkeit, Säugen, Pyometra
Während der Läufigkeit sind Hündinnen einer ganzen Reihe von Veränderungen ausgesetzt. Vermehrter Harndrang und stärkerer Durst gehören dazu.
Während einer Trächtigkeit muss der Körper der Hündin nicht nur Fruchtwasser produzieren, sondern auch das Blutvolumen vergrößern. Immerhin müssen neben ihr auch mehrere Welpen versorgt werden. Dafür ist reichlich Flüssigkeit nötig.
Während der Stillzeit oder Säugezeit, produziert eine Hündin Unmengen Milch. In ihr herrscht zusätzlich noch ein Hormonchaos, sie blutet wie eine Frau im Wochenbett, hat Ausfluss zur Reinigung der Gebärmutter und weil diese lange Liste noch nicht ausreicht, putzt sie auch die Welpen und ihre Hinterlassenschaften.
Sorge in diesen Zeiten IMMER dafür, dass deine Hündin mehr als genug Flüssigkeitsquellen zur Verfügung stehen hat. Wasser, Ziegenmilch, Hundesmoothies und Hundesuppen bieten sich neben dem normalen Futter an.
Bei einer Pyometra – also einer vereiterten Gebärmutter – befindet sich deine Hündin in Lebensgefahr. Sie kann vermehrten Durst aufweisen, weil sie eine erhöhte Temperatur oder sogar Fieber hat und der gesamte Organismus gegen die Infektion kämpft.
Morbus-Cushing
Ständiger Durst, ständiger Hunger, häufiges Urinieren und dazwischen so viel wie möglich schlafen. Neben Stammfettsucht, Fellverlust und schlechter Durchblutung der Extremitäten sind das die sichtbaren Anzeichen von Morbus Cushing bei Hunden.
Die chronische Krankheit ist unheilbar, aber behandelbar und erfordert bereits bei einem leichten Verdacht einen sofortigen Tierarztbesuch.
Niereninsuffizienz
Eine Niereninsuffizienz ist anfangs schwer zu erkennen. Betroffene Hunde haben vermehrten Durst, leiden oftmals unter Appetitlosigkeit, Lethargie und Hautproblemen. Dabei verlieren sie Gewicht. Eine genaue Diagnose samt der Ursache für die Insuffizienz kann nur ein Tierarzt stellen.
Vergiftung
Reinigungsmittel, Medikamente, Giftköder, verschüttete Chemikalien und Gift in Pulverform – es gibt zahlreiche Wege, auf denen dein Hund mit toxischen Mitteln in Kontakt kommen kann. Nicht alle davon sind so auffällig wie ein Stück Wurst im Park oder ein Putzmittel mit Bissspuren.
Mögliche Anzeichen sind:
- sehr starker Durst
- (blutiges oder schaumiges) Erbrechen
- Durchfall
- Unruhe
- Zittern
- Apathie
Hast du auch nur den geringsten Verdacht auf eine Vergiftung, such sofort den nächsten Tierarzt oder die nächste Tierklinik auf. Kam es tatsächlich zur Aufnahme von Gift, zählt jede Minute.
Hund trinkt zu viel – Wann ist ein Tierarztbesuch sinnvoll?
- Dein Hund trinkt mehr als das Doppelte der normalen Tagesmenge.
- Dein Hund trinkt schlagartig und der Durst scheint nicht weniger zu werden.
- Du erkennst keine harmlose Ursache für das übermäßige Trinken.
- Es bestehen weiter Symptome, wie Fieber, Unruhe oder Zittern.
- Du hast den Verdacht auf eine Vergiftung.

Hinterlasse einen Kommentar