Nur schnell beim Bäcker Brötchen holen? Nur zwei Minuten im Supermarkt? Für viele Halter ist es noch immer normal, ihren Hund vor dem Geschäft anzubinden oder abzulegen. Oftmals mit verheerenden Folgen. Hier erfährst du, welche Gefahren lauern und wieso sie Hundehalter oftmals übersehen.
Hund vor dem Geschäft lassen – diese Gefahren lauern
„Es sind doch nur ein paar Minuten. Was soll schon passieren?“ So oder ähnlich argumentieren alle, wenn sie ihren Hund vor einem Geschäft anbinden. Außerdem wäre es unsinnig, noch einmal allein loszulaufen. Die Hunderunde führt schließlich extra an Bäcker oder Supermarkt vorbei.
Dabei übersehen sie vollkommen, dass vor einem Geschäft angebundene Hunde zum einen eine Gefahr darstellen und zum anderen gleich mehreren Gefahren ausgesetzt sind.
Verletzungen bei Menschen und anderen Hunden
Dein Hund ist zutiefst friedlich und freundlich und würde niemals nimmer nicht? Bindest du deinen Hund unbeaufsichtigt vor einem Laden an, weißt du nie mit Sicherheit, wie er sich verhält und wie andere sich ihm gegenüber verhalten.
Lassen Menschen ihren aggressiven Hund zu dicht vorbeilaufen? Fühlt sich dein Vierbeiner bedrängt? Treten sie sogar nach ihm? Fällt ihnen etwas herunter und dein Hund erschreckt sich.
Du gehst mit dem Anbinden oder dem Ablegen deines Hundes ein unnötiges und hohes Risiko ein. Du gibst dabei die Kontrolle auf.
Nicht nur, dass dich dein Hund mit überraschend aggressivem Verhalten schockieren kann. Andere Menschen können sich ebenfalls schockierend dumm oder aggressiv verhalten und damit Verletzungen riskieren. Und die Schuld im Anschluss bei dir und deinem Vierbeiner suchen.
Verletzungen bei deinem Hund
Fest angebunden und vielleicht sogar mit einem Maulkorb bewährt, kann sich dein Hund weder Reißaus noch sich richtig wehren, wenn er bedroht oder verletzt wird.
Absichtlich oder unabsichtlich über den Schwanz fahren, darauf treten, den Hund bewerfen, schlagen, treten oder sogar mit einem Messer verletzen: Das kommt täglich vor.
Manche machen sich einen Spaß daraus. Bei anderen geschieht es aus Angst oder aus Wut.
Wieder andere können deinen Hund tatsächlich versehentlich verletzen. Beispielsweise, weil sie beim Fahren des Einkaufswagens nicht aufpassen, weil etwas Schweres herunterfällt oder weil sie sich selbst erschrecken und zutreten.
„Aber ich passe schon auf!“ Dieses vermeintliche Argument höre ich leider immer wieder.
Schauen wir uns einen normalen, schnellen Einkauf an:
Kannst du aufpassen, wenn du in die Auslage schaust? Etwas im Regal suchst? Dich mit dem Verkäufer unterhältst? Du angesprochen wirst? Während du bezahlst?
Setzen wir dabei noch voraus, dass du tatsächlich absolut jede Sekunde aufpassen kannst. Bist du schnell genug draußen bei deinem Hund, wenn ihn jemand im Vorbeigehen tritt? Etwas nach ihm wirft? Ihm über den Schwanz fährt?
Menschen machen sich gerne vor, dass sie Gefahren selbst aus der Ferne abwenden können. Aber ob sich ein anderer Hund auf deinen angebundenen Vierbeiner stürzt oder jemand ihn im Vorbeigehen verletzt: Fakt ist, du hast nur dann eine Chance deinen Hund zu beschützen, wenn du direkt neben ihm stehst. Und nicht einmal das reicht immer aus.
Vergiftungen
Jeder Hundehalter weiß: Es gibt verdammt viele Hundehasser. Der Hass kann so weit reichen, dass Köder mit Gift, Nadeln oder Nägeln gespickt ausgelegt werden.
Nirgends gelingt das einfacher und gezielter als an einem Geschäft, an dem Hunde unbeaufsichtigt angebunden sind.
Warten hier öfter Vierbeiner oder „machst du das schon immer so“, ist es für den Giftleger absehbar und damit für einige besser als das Auslegen in einem Park oder entlang einer Gassistrecke. Das gilt insbesondere dann, wenn er es auf einen speziellen Hund abgesehen hat oder wartende Hunde allgemein hasst.
Diebstahl und Ableinen
Gepflegte, freundliche, kleine Hunde sind vielerorts so gefragt, dass sie selbst bei einer Abgabe gar nicht erst im Tierheim landen. Die Wartelisten für erwachsene, stubenreine und augenscheinlich gesunde Hunde ist immer wieder lang.
Das gilt selbst dann, wenn Tierheime überquellen und haufenweise günstige Welpen im Internet stehen. Zudem sind reinrassige Hunde und Doodle als Wurfmaschinen und Samenspender beliebt.
Einen angeleinten Hund vorm Supermarkt abzuleinen und ins haltende Auto zu packen,dauert nur wenige Sekunden und ist unauffällig. Wer weiß schon, ob es sich dabei um den Halter handelt? Den Mikrochip zu entfernen und im Anschluss zu behaupten, er hätte nicht mehr funktioniert und es müsste ein neuer gesetzt werden, ist verhältnismäßig.
Einen Hund ohne alles weiterzuverkaufen und dafür keine Fragen an den Käufer zu stellen, funktioniert auch wunderbar mit falschen Angaben und innerhalb eines Tages. Hinzu kommen Menschen, die den Hund im Vorbeigehen ableinen, damit er entläuft.
Dabei handelt es sich nicht um erfundene Risiken, sondern um Sachen, die bereits stattgefunden haben und immer wieder stattfinden.
Wachsende Angst und zunehmender Hass
Stell dir etwas vor, vor dem du panische Angst hast. Sind es Spinnen? Oder Mäuse und Ratten? Solange sie sich in Terrarien oder Käfigen befinden, ist deine Angst da, aber kontrollierbar. Immerhin können sie nicht an dich gelangen.
Spinne, Maus oder Ratte, die vollkommen unkontrolliert und ungehindert auf dich zukommen kann? Andere Geschichte, oder?
Ebenso geht es vielen Menschen mit Hundeangst. Ist der Hund angeleint und wird von seinem Halter kontrolliert und rücksichtsvoll geführt, hält sich die Angst bei einigen im Zaum. Sitzt der Hund ohne Halter und schlimmstenfalls auch noch ohne Leine unbeaufsichtigt da, erzeugt es blanke Panik.
Je weniger darauf Rücksicht genommen wird, umso größer wird mit wachsender Hundedichte auch die Abneigung vieler Menschen gegen die Vierbeiner. Und ihre Besitzer. Das wiederum kann Hundehass schüren.
Trag bitte nicht dazu bei.
Hierzu eine prägnante Anekdote:
Die unangeleinten Hunde im Einkaufszentrum
Eine angehende Hundetrainerin mit drei großen Hunden begab sich – angeblich im Rahmen einer Übung – in ein Einkaufszentrum. Ihre Hunde liefen hier nicht nur (die Leinenpflicht ignorierend) ohne Halsband und Leine. Sie legte sie auch vor Geschäften ab und ging shoppen.
Mitten im Strom von kaufwilligen Passanten saßen und lagen also drei unbeaufsichtigte, große Hunde, ohne Leine, ohne Halsband und ohne Halter.
Als ich sie darauf hinwies, dass Menschen davor Angst haben, war ihre Antwort klar: „Wenn jemand Angst hätte, würde er sich bei mir beschweren!“
Stell dir das bitte ganz kurz vor. Eine Person mit panischer Angst vor Hunden wartet nicht nur in direkter Umgebung der Hunde, die gerade Panik auslösen. Nein, diese Person geht dann auch direkt auf den Halter zu, sobald er sich zeigt und erklärt in wenigen Metern Entfernung, dass er Angst hat. Während er panisch vor drei großen, unangeleinten Hunden steht.
Wie realistisch klingt das für dich? In einem Punkt hatte die angehende Trainerin allerdings recht: Die Leute haben sich beschwert. Bei der Leitung des Einkaufszentrums. Und im Anschluss bewirkt, dass Hunde dort nicht mehr erlaubt sind.
Nicht nur, dass die Möchtegern-Trainerin reihenweise Menschen in Angst versetzt hat. Sie hat auch alle anderen Hundehalter mit reingezogen.
Sei besser!
Aufdringliche Menschen und angebundene Hunde
Vor Geschäften angebundene Hunde ohne präsenten Halter werden nicht selten zum Streichelzoo.
Manche Leute bedrängen und streicheln. Andere heben sie sogar hoch – egal, wie sehr sich die Hunde wehren.
Die Angst durch angebundene und halterlose Hunde wächst nicht nur bei den Menschen. Auch Hunde können durch das angeblich wohlmeinende Bedrängen – das eigentlich schamloses Ausnutzen einer Situation ist – immer mehr unter Angst leiden.
Zudem können sie das Vertrauen in ihre Halter verlieren oder vollkommen anders reagieren, als ihre Halter es bisher gewohnt sind. Das erhöht wiederum das Risiko für Vorfälle, aus denen dein Hund als „gefährlich“ hervorgeht.
Fehlende Aufsicht und juristische Folgen
Hundehalter haben eine Allgemeine Aufsichtspflicht. Sie müssen ihre Vierbeiner unter Kontrolle halten und potenziell von ihnen ausgehende Gefahrenpotenziale verhindern.
Mit anderen Worten: Bindest du einen Hund unbeaufsichtigt an oder lässt ihn vor einem Geschäft abliegen, verletzt du deine Aufsichtspflicht.
Passiert etwas, auch wenn es ein Mensch absichtlich provoziert hat, musst du dafür geradestehen. Bußgeld, Anzeige, Wesenstest bis hin zum Einzug deines Hundes stehen im Raum.
Der eine gesparte Weg und die paar Minuten können dich also schnell teuer zu stehen kommen. Ist das die Bequemlichkeit wert?

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