Hund aus den Kleinanzeigen aufnehmen – worauf achten?

Welpen aus Ups-Würfen, junge Hunde, alte Hunde, Mischlinge, Reinrassige – die Auswahl an Vierbeinern in den Kleinanzeigen ist groß. Dazu sind sie für viele Menschen auf der Suche nach einem Hund die erste Anlaufstelle. Bei der Entscheidung für ein Tier aus der privaten Vermittlung solltest du allerdings genau hinschauen und die richtigen Fragen stellen.

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  1. Hund aus privater Hand aufnehmen – Vorteile
  2. Potenzielle Nachteile bei Hunden aus den Kleinanzeigen
  3. Gründe für eine private Abgabe
    1. Unüberlegte Anschaffung
    2. Veränderte Lebensumstände
    3. Der Hund wurde falsch eingeschätzt oder unterschätzt
  4. Privaten Hundeverkäufern die richtigen Fragen stellen
    1. Warum wird der Hund abgegeben?
    2. Was kennt, mag, hasst der Hund?
    3. Wie soll die Übergabe ablaufen?
  5. Es kommt auf dich und den Hund an
  6. Achtung: Stell diese Frage unbedingt!

Hund aus privater Hand aufnehmen – Vorteile

Ob unüberlegt angeschafft oder durch eine plötzliche und radikale Änderung im Leben nicht mehr haltbar: Die Gründe, einen Hund via Kleinanzeigen vermitteln zu wollen, sind vielseitig.

Allerdings können sie für dich einige Vorteile mit sich bringen:

  1. Prägung und Grundkenntnisse vorhanden: Sofern es sich nicht um Welpen oder deprivierte Hunde handelt, sind die Vierbeiner aus zweiter Hand bereits mit Menschen, Wohnung und dem Alltag vertraut. Bei der Gewöhnung und Erziehung musst du also nicht bei null anfangen.
  2. Umfassende Einschätzung: Anders als im Tierheim, beim Auslandstierschutz oder bei Welpen vom Züchter ist ein erwachsener Hund seinem Halter deutlich besser vertraut. Was er kann und nicht kann, was er mag oder hasst, seine Routine und Besonderheiten kannst du aus erster Hand von jemandem erfahren, der (im Normalfall) längere Zeit mit dem Vierbeiner verbracht hat.
  3. Ausstattung und Kosten: Wer wirklich nur ein neues und gutes Zuhause für seinen Hund sucht und keinen Gewinn daran machen möchte, wird die komplette Ausstattung zur Verfügung stellen und den Preis niedrig ansetzen. Die Anschaffung ist dadurch oftmals deutlich günstiger.  
  4. Kennenlernen ist besser möglich: Wenn die Abgabe nicht zeitlich dringend ist, können mehrere Besuche, gemeinsame Spaziergänge und sogar ein Probewohnen bei dir möglich sein. Das schrittweise Kennenlernen und Aufbauen von Vertrauen ist für den Hund und dich gleichermaßen besser und entspannter als ein abrupter Wechsel.
  5. Baustellen sind bereits bekannt: Der Hund kommt nicht mit Kindern klar, mag keine Männer, jagt Katzen, kann nicht allein bleiben oder eignet sich nicht für den Sport? Was für den einen ein immenses Problem darstellt, kann dem anderen vollkommen egal sein. Sind die Baustellen bereits bekannt, kannst du deutlich besser informiert entscheiden, ob der Hund zu dir passt oder nicht.  

Potenzielle Nachteile bei Hunden aus den Kleinanzeigen

Potenzielle Nachteile im Vergleich zu seriösen Züchtern und Tierschutzvereinen sind die Beratung und die Rücknahme.

Einige Züchter und Tierheime, Pflegestellen oder Organisationen halten sogar vertraglich fest, dass der vermittelte Hund bei Bedarf zu ihnen zurückkommt. Ob sich das in der Praxis immer umsetzen lässt, ist allerdings eine andere Frage. Denn ist gerade kein Platz vorhanden, wurde die Zucht aufgelöst oder hat der Verein keine ausreichenden Mittel, müssen ebenfalls andere Möglichkeiten gefunden werden.

Hinzukommen kann natürlich, dass dich der Verkäufer belügt, dir etwas verheimlicht oder etwas vollkommen anders einschätzt. Diese Punkte treffen allerdings auch auf Züchter und den Tierschutz zu.

Gründe für eine private Abgabe

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, aus denen Hunde direkt von ihren Haltern vermittelt beziehungsweise verkauft werden. Die wenigsten sagen etwas über den Hund aus.

Schauen wir uns die Abgabe-Ursachen einmal an:

Unüberlegte Anschaffung

Als während Corona plötzlich viele Menschen ausschließlich im Homeoffice arbeiten konnten, Urlaube flachfielen und die Freizeit auf das heimische Umfeld begrenzt war, waren nicht nur mit einem Schlag die Tierheime leer gefegt.

Viele Menschen mit einer gebärfähigen Hündin ließen sie decken und verlangten absolut absurde Preise für Mischlinge, mit einer soso lala-Aufzucht.

Einige seriöse Züchter stellten ihre Wurfpläne hingegen während Corona ein. Ihnen war das Risiko zu groß, dass ihre Hunde Opfer von unüberlegten Anschaffungen werden.

Das war eine weise Entscheidung, denn mit dem Ende der Beschränkungen quollen die Tierheime schlagartig über.

Aber auch ganz ohne die Einschränkungen während Corona gibt es sie immer wieder: Menschen, die sich einen Hund zulegen und sich nicht einmal im Ansatz der Verantwortung bewusst sind oder keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen haben.

Kommen sie auf dem Boden der Tatsachen an, muss der Vierbeiner schnellstmöglich wieder weg. Kaum einer gibt offen und ehrlich in einer Anzeige zu, dass er aus einer Laune heraus und vollkommen selbst überschätzend die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen und nun keine Lust mehr darauf hat. Daher finden sich reichlich Ausreden bei den Beschreibungen und Gründen.

Am Hund selbst ändert das jedoch nichts.

Veränderte Lebensumstände

Paare trennen sich, Kinder werden geboren, Krankheiten können auftreten, die finanzielle Lage reicht nicht mehr für eine ordentliche Versorgung des Tieres – mit einem Schlag kann sich vieles ändern.

Im Idealfall wurde dafür schon vor der Anschaffung umfassend vorgesorgt. Finanzielle Rücklagen, Versicherungen für den Hund, mehrere Betreuungsmöglichkeiten für den Notfall und ein hilfreiches Netzwerk können oftmals verhindern, dass sich eine Abgabe nicht umgehen lässt. Oftmals, aber nicht immer.

Daher gibt es reichlich Hunde, die tatsächlich schweren Herzens abgegeben werden müssen.

Der Hund wurde falsch eingeschätzt oder unterschätzt

Einen Mastiff zum Hundewiesenhund erziehen, den reizoffenen Border Collie zum stetigen Begleiter in der Großstadt oder den Schäferhund zum ruhigen Vierbeiner, der Geräusche der Nachbarn im Mehrfamilienhaus nicht meldet – Vorstellungen gibt es viele. Und viele davon sind fern der Realität.

Nicht jeder Hund passt in jedes Leben. Leider wird das häufig unterschätzt oder falsch eingeschätzt. Fällt dann auf, dass der Husky nicht ausgelastet werden kann oder der sensible Viszla komplett überfordert ist, wird die Schuld zum einen beim Hund gesucht.

Zum anderen wird es in den Anzeigen zur Abgabe freundlicher ausgedrückt als „Ich hab mich bei der Rasse vollkommen vergriffen, weil ich nur nach der Optik gegangen bin“.

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Privaten Hundeverkäufern die richtigen Fragen stellen

Ebenso wie bei Züchtern und im Tierschutz solltest du kritisch hinschauen und wichtige Fragen stellen, damit du zum einen die beste Wahl treffen kannst und zum anderen richtig vorbereitet bist.

Warum wird der Hund abgegeben?

Allergie, mangelnde Zeit, Trennung, Geld – Züchter verkaufen Welpen, um Geld zu verdienen. Und/oder die Rasse zu erhalten. Sie verkaufen in die Rente gegangene Zuchthündinnen und -rüden, um mehr Platz für jüngere Hunde zu haben. Tierheime und Tierschutzorganisationen vermitteln Tiere, um sie zu retten.

Bei der privaten Abgabe gibt es deutlich mehr Gründe. Ob die genannte Ursache stimmt oder nicht, kannst du oftmals nur raten.

Stell die Frage dennoch und gleich die Antwort mit dem Erleben des Hundes und des Halters ab, wenn du sie kennenlernst. Selbst, wenn dabei eine Angabe als Lüge auffliegt – schau auf den Hund. Den Verkäufer nimmst du schließlich nicht mit nach Hause.

Was kennt, mag, hasst der Hund?

Egal wie pflegeleicht ein Hund ist: Er hat Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen. Diese bereits im Vorfeld zu kennen, ist einer der Vorteile bei einem Hund aus zweiter Hand.

Kann diese Frage vom aktuellen Besitzer nicht beantwortet werden, formulier sie um und stell einzelne, gezieltere Fragen. Wie laufen Spaziergänge ab? Wie verhält sich der Hund beim Alleinsein, bei Begegnungen mit anderen Hunden, beim Autofahren?

Obwohl der Hund gerade eben noch weder besondere Vorlieben noch Eigenschaften hatte, lässt sich durch genauere und gezieltere Fragen meist einiges in Erfahrung bringen.

Geimpft, entwurmt, gechippt, mal eine Ohrenentzündung gehabt, Neigung zum Nüchternerbrechen?

Böse Überraschungen möchte niemand, wenn er einen Hund aufnimmt. Chronische Erkrankungen oder unbehandelte Beschwerden können allerdings Gründe für die Abgabe sein und aufgrund des finanziellen Faktors nicht erwähnt werden.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du den Hund selbst genau anschaust und falls möglich vor Abschluss des Kaufvertrags einem Tierarzt vorstellst.

An dieser Stelle möchte ich dir sagen: Züchter und Tierschutz unterscheiden sich davon nicht. Manche Krankheiten werden verschwiegen, fallen erst später auf oder bleiben sogar trotz tierärztlicher Untersuchungen unbemerkt, bis sie stärkere Symptome auslösen.

Mit einem scheinbar kerngesunden, fitten Hund kann es dir innerhalb von ein paar Monaten also ähnlich gehen. Bereits auffallende Probleme oder fehlende Fürsorge solltest du jedoch nicht ignorieren.

Auch dafür kann der Hund nichts. Du solltest jedoch wissen, worauf du dich potenziell einlässt.

Wie soll die Übergabe ablaufen?

Muss der Hund so schnell wie möglich weg und du sollst ihn bereits beim ersten Besuch mitnehmen? Wenn nicht einmal ein besseres Kennenlernen möglich ist, solltest du skeptisch sein. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Verkäufer dir etwas verbergen will.

Mehrere Gespräche, Besuche und Spaziergänge sind ideal.

Lass dich nicht unter Druck setzen, wenn du unsicher bist. Mehrmalige Treffen und eine Nacht darüber zu schlafen, sollten ebenso selbstverständlich sein, wie dir Fragen zu stellen und Interesse daran zu zeigen, wo der Hund hinkommt.

Auch hierbei gilt aber wieder: Nur, weil der Verkäufer in Eile ist, die Umstände drängen oder der Person schlicht nichts an dem Hund liegt, ändert das nichts an dem Vierbeiner.

Tipp: Sei dir bitte bewusst, dass nicht alle Angaben stimmen müssen. Sei dir auch bewusst, dass sich Hunde unter verschiedenen Umständen und bei verschiedenen Menschen unterschiedlich verhalten. Der vermeintlich nervöse Hund kann plötzlich tiefenentspannt sein, wenn er nicht mehr permanent überfordert wird. Der zerstörerische Hund kann die Einrichtung links liegen lassen, wenn er eine Aufgabe erhält, ausgelastet wird und sich mit Spielzeugen und Kaukram beschäftigen darf.  

Es kommt auf dich und den Hund an

Selbst wenn der Verkäufer vollkommen desinteressiert an seinem Hund und an dessen künftigem Zuhause ist, tatsächlich spielt nur ein Faktor eine Rolle:

Passt der Hund zu dir und passt du zu dem Hund?

Ob er von seinem vorherigen Besitzer geliebt oder vernachlässigt wurde, es ist der Vierbeiner, den du entweder mit nach Hause nimmst oder nicht. Konzentrier dich daher auf ihn und unterschreib keinen Kaufvertrag, bevor du dir nicht sicher bist.  

Achtung: Stell diese Frage unbedingt!

Du kannst dich bereits in den Hund verguckt haben und ihn unbedingt in deinem Leben wollen, eine Frage ist vor Unterzeichnung des Kaufvertrags jedoch unabdingbar: Hat der Hund Auflagen oder ist damit zu rechnen?

Gab es bereits einen Vorfall, bei dem der Hund einen Menschen gefahrbringend angesprungen, nach ihm geschnappt oder einen Artgenossen verletzt hat, muss beispielsweise mit durchgängiger Leinen- und Maulkorbpflicht gerechnet werden. Auch ein Wesenstest ist je nach Hund und Bundesland nicht auszuschließen.

Lass dir schriftlich geben, dass du keinen Hund kaufst, bei dem etwas Derartiges auf dich zukommen kann. Denn leider ist das nicht vollkommen auszuschließen.

Antworten

  1. Avatar von Hund aus dem Tierschutz aufnehmen – worauf achten? – PunkrockPudel

    […] musst du – unabhängig ob Züchter, privater Verkäufer oder Tierschutz – genau hinschauen. Die folgenden Tipps helfen […]

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  2. Avatar von Warum Züchter so beliebt, und doch nicht immer das Wahre sind – PunkrockPudel

    […] Frage kannst du nur für dich beantworten. Ebenso wie bei Hobbyzüchtern/Vermehrern, privaten Abgaben und dem Tierschutz gibt es immense […]

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