Warum Züchter so beliebt, und doch nicht immer das Wahre sind

Wird dir immer wieder dazu geraten, unbedingt beim seriösen Züchter zu kaufen? Kommt es dir auch so vor, als stünden Züchter auf einem Podest und sowohl Tierschutz als auch „Vermehrer“ seien minderwertig? Dann solltest du dringend genauer hinschauen, denn selbst unter Züchtern gibt es schwarze Schafe. In diesem Beitrag erfährst du, worauf du bei der Züchterwahl achten musst und welche Nachteile Zuchthunde mit sich bringen können.

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  1. Züchter, Vermehrer, Tierschutz – was ist besser?
    1. Züchter unterliegen Regeln
  2. Kritische Punkte bei Hundezüchtern
    1. Untersuchungen sind nur bedingt hilfreich
    2. Wesen spielt oft keine Rolle
    3. Manipulationen sind möglich
    4. Rassestandards sind bedenklich
    5. Der Genpool ist klein
    6. Profit steht im Vordergrund
  3. Züchter: Ja oder nein?

Züchter, Vermehrer, Tierschutz – was ist besser?

Wenn du dir einen Hund zulegen möchtest, stellen sich viele Fragen. Darunter auch, woher er stammen soll. Zur Auswahl stehen Züchter, Vermehrer, Hunde aus zweiter Hand von Privatleuten und der Tierschutz.

Schauen wir uns erst einmal die Unterschiede zwischen den Quellen an.

Züchter haben bestenfalls das Ziel, eine Rasse zu erhalten oder sogar zu verbessern. Sie gehören einem Zuchtverband an und unterliegen dadurch Regeln. Die Zuchttiere, die Welpen und die Zucht selbst werden kontrolliert und regelmäßig untersucht.

Das soll ein gewisses Maß an Sicherheit bieten. Warum das nicht immer der Fall ist, erfährst du weiter unten.

Sogenannte Hobbyzüchter werden auch als Vermehrer bezeichnet. Sie können ein Zuchtziel haben, beispielsweise durch die gezielte Mischung von Labrador und Pudel eine neue Rasse zu schaffen. In diesem Fall den Labradoodle.

Sie können allerdings ebenso einfach den Wunsch verspürt haben, dass ihre Hündin einmal Welpen bekommt. Bei ihnen gibt es keine Kontrollen und ob die Elterntiere sinnvoll untersucht wurden, ist allein den Haltern überlassen.

Hobbyzüchter und Vermehrer können jedoch auch einfach nur des Geldes wegen Welpen regelrecht am Fließband produzieren. Zu Corona war das ein immenses Problem, für die Vermehrer jedoch extrem lukrativ. Um Tierliebe oder Rasseerhalt ging und geht es dabei nicht.

Im Tierschutz landen Hunde, wenn ihre Halter sie abgeben, die Halter versterben oder sich nicht ausreichend um ihre Vierbeiner gekümmert haben. Straßenhunde und ausgesetzte Tiere finden sich ebenfalls. Hier gibt es also eine große Bandbreite an Individuen, Rassen und Mischlingen.  

Vor- und Nachteile hast du bei allen Optionen. Warum wird nun aber so häufig zum Welpen vom Züchter geraten?

Züchter unterliegen Regeln

Verbandszüchter müssen mehrere Voraussetzungen erfüllen, um eine eigene Zucht zu gründen. Dazu gehören unter anderem:

  • Nachweis nötigen Fachwissens
  • geeignete Zuchtstätte
  • nachweislich zuchttaugliche Hunde
  • Auswahl geeigneter Verpaarungen
  • Kontrolle der Welpen
  • Beschränkung der Wurfanzahl

Bevor Hunde zur Verbandszucht zugelassen werden, muss die Zuchttauglichkeit nachgewiesen sein. Abhängig von der Rasse bedeutet das die körperliche Untersuchung. Die Tiere müssen gesund und frei von rassebedingten Krankheiten sein und dem Rassenstandard entsprechen. Hinzukommen können Prüfungen des Wesens und der Arbeitstauglichkeit.

Die dafür nötigen Untersuchungen gehen über einen normalen Tierarztbesuch hinaus und sollen sicherstellen, dass die Nachkommen der Verpaarung ebenfalls gesund sind. Außerdem sollen sie dem Rassestandard entsprechen, also in Körperbau, Wesen und Farbe möglichst gleichförmig sein.

Die Anzahl der Zuchthunde pro Person und die Anzahl der Würfe pro Jahr ist ebenfalls festgelegt. Basiswissen muss vorhanden sein und damit ist zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit gegeben. Oder?

Werfen wir einen Blick auf die (potenziellen) Nachteile.

Kritische Punkte bei Hundezüchtern

Der Grundgedanke kontrollierter Zucht ist unbestritten gut. Dennoch gibt es einige Nachteile, die sich nicht von der Hand weisen lassen. Diese beginnen bereits bei der Zuchtzulassung, die eigentlich für gesunde Nachkommen sorgen sollte.

Zusätzlich erscheinen Verbandszüchter häufig auf den ersten Blick seriös, immerhin durchlaufen sie und ihre Hunde eine ganze Reihe von Tests und Untersuchungen und längst nicht jeder Hund kommt in die Zucht.

Die Realität und ein Blick hinter die Kulissen sind jedoch wirklich ernüchternd.

Untersuchungen sind nur bedingt hilfreich

Soll ein Hund in die Zucht gehen, wird die Zuchttauglichkeit frühzeitig angestrebt. Junge Hunde sind oftmals (noch) gesund. Viele Probleme treten erst mit fortschreitendem Alter auf.

Auch die gründlichsten Untersuchungen bringen also wenig, wenn ein Hund mit zwei Jahren gesund ist, mehrere Würfe zeugt oder auf die Welt bringt und mit sechs Jahren tot umfällt. Klingt dramatisch? Ist im Falle der Dobermänner aber traurige Realität. Etwa jeder zweite Dobermann erkrankt an der dilatativen Kardiomyopathie (DCM), die auch als Dobermann-Kardiomyopathie bezeichnet wird. Bei den Berner Sennen ist es Krebs. Bei Dackeln und French Bulldogs die Neigung zu Bandscheibenvorfällen. Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen und um nahezu jede Rasse erweitern.

Treten typische Rassekrankheiten erst mit drei, vier oder sechs Jahren auf, werden sie trotz Untersuchungen fröhlich weitervererbt. Eine Garantie auf einen (halbwegs) gesunden Hund gibt es daher leider nicht.

Wesen spielt oft keine Rolle

Gerade – aber nicht nur – bei den Begleithunden, wird häufig viel zu wenig Wert auf das Wesen gelegt. Ob der Hund ständig nervös ist, wegen jedem Spatzenpups in ein Bellkonzert verfällt, Hypersexualität zeigt oder sich aufgrund übersteigerter Aktivität gar nicht für den modernen Alltag eignet, ist für viele Zuchtrichter und Züchter unerheblich.

Untersuchungsergebnisse und Optik zählen mehr. Selbst wenn eine Hündin mehrfach ihre Welpen nicht annimmt oder von jedem Wurf so gestresst ist, dass sie die Babys stundenlang und teilweise bis zum Versterben durch das Tragen im Maul in der Gegend herumschleppt, wird sie nicht zwangsläufig aus der Zucht genommen. Sie muss oftmals weiter Nachkommen in die Welt setzen.

Das Tierwohl bleibt auf der Strecke und eine optimale Prägung der Welpen wird durch Angst und Stress der Mutter ebenfalls nicht erreicht.

Manipulationen sind möglich

Zuchtrichter, Zuchtwart, Zuchtabnahme, Untersuchungen, Kontrollen, Regeln des Verbands – bei so vielen Instanzen kann doch nur alles mit rechten Dingen zugehen. Da muss ich dich enttäuschen.

Von bestochenen Tierärzten und Zuchtrichtern, über persönliche Sympathien, ausbleibende, aber abgestempelte Kontrollen bis hin zu durch Medikamente, Färbemittel und anderweitig manipulierten Hunde, wird von manchen Züchtern reichlich Schindluder betrieben.

Mancher Zuchtrichter bewertet nach persönlichem Befinden und individuellen Vorlieben, anstatt nach dem gewünschten Standard.

Manche Züchter melden offiziell einen Deckakt an und lassen ihre Hündin von 1, 2, 3 oder 4 anderen Rüden bespringen, um die Chancen für eine Trächtigkeit zu steigern.

Viele wollen das nicht wahrhaben und natürlich passiert so etwas nicht bei seriösen Züchtern – sagen die Züchter. Doch die Realität sieht anders aus. Als bloßer Hundekäufer ist es nahezu unmöglich, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Rassestandards sind bedenklich

Riesige Glubschaugen, die aus den Höhlen fallen, eingedroschene Nasen, hängende Augenlider und permanente entzündete Bindehäute, viel zu lange Rücken und Stummelbeine, extreme Reizoffenheit, die zu Verhaltensstörungen führt, vorprogrammierter Krebs, am eigenen Fell ersticken, lebenslange Schmerzen durch eine deformierte Hüfte, Blindheit, Taubheit, Herzkrankheiten – versehentlich passiert?

Nein, auch hier muss ich dich enttäuschen. Zum Teil handelt es sich dabei um festgelegte Zuchtstandards. Zum Teil um Erkrankungen, die billigend in Kauf genommen werden.

Riesenwuchs, Zwergenwuchs, Fehlstellungen und Co. sind in einigen Standards gewünscht und gefordert. Dass darunter die Gesundheit leidet, Qualen entstehen und die Lebenszeit stark verkürzt ist, spielt keine Rolle.

Das trifft bei Weitem nicht nur auf die sogenannten Qualzuchtrassen zu. Die Tendenzen ins Extreme lassen sich mittlerweile bei sehr vielen Rassen beobachten und sind mehr als bedenklich.

Der Genpool ist klein

Nicht nur bei seltenen Rassen ist der Genpool der Zuchthunde klein. Um die Rasse weiterhin zu erhalten, wird daher häufig Inzucht betrieben. Frisches Blut einzukreuzen, ist hingegen oftmals verpönt oder verboten.

Zusätzlich wird der Genpool künstlich kleingehalten. Stell dir vor, es gibt einen perfekt gebauten, gesunden Hund. Er hat ein tolles Wesen, seine Eltern und Großeltern sind bis ins hohe Alter gesund. Er ist fit und intelligent. Ideal für die Zucht – wäre da nicht dieser eine, kleine, weiße Fleck an der falschen Stelle und der etwas zu geschwungene Schwanz.

Richtig gelesen, ein Fleck kann ihn aus der Zucht ausscheiden lassen. Hätte ihm ein Zahn von Geburt an gefehlt, dann ist das bei einigen Rassen nicht weiter problematisch. Aber ein Fleck in der falschen Farbe, an der falschen Stelle geht nicht durch.

Seit langem wird deutlich zu viel Wert auf die Optik, anstatt auf Gesundheit und Wesen gelegt. Unter anderem aus diesem Grund fahren viele Rassen gegen die Wand und Erbkrankheiten sind ein immenses Problem.

Unter anderem aus diesem Grund verabschieden sich einige Verbandszüchter aus den Verbänden und gehen in die Dissidenz oder werden zu selbstbestimmten Hobbyzüchtern, die bewusst keinem Verband angehören wollen und lieber einen gesünderen Standard verfolgen.

Profit steht im Vordergrund

Es gibt Verbandszüchter, die das Beste für ihre Hunde und deren Welpen wollen. Sie wollen die Rasse erhalten, verbessern und setzen alles daran, diese Ziele zu erreichen. Eignet sich ein Hund zwar körperlich, aber nicht charakterlich für die Zucht, werden sie mit ihm nicht züchten.

Ebenso gibt es vermeintlich seriöse Verbandszüchter, die trotz der Regularien Welpenproduktion am Fließband betreiben, sich nicht um die Hunde oder die Rasse scheren und lediglich den Profit sehen.

Schau daher in jedem Fall genau hin. Verlass dich nicht darauf, dass Züchter automatisch seriös sind, nur, weil sie einem Verband angehören. Fragen an den Züchter zu stellen, hilft dir bei der Einschätzung.

Züchter: Ja oder nein?

Diese Frage kannst du nur für dich beantworten. Ebenso wie bei Hobbyzüchtern/Vermehrern, privaten Abgaben und dem Tierschutz gibt es immense Unterschiede.

Schau daher in jedem Fall genau hin und orientier dich an Tipps für die richtige Züchterwahl, um die beste Entscheidung zu treffen.

Antworten

  1. Avatar von Woran erkenne ich einen guten Züchter? 10 Tipps – PunkrockPudel

    […] Zeit galten der VDH und Verbandszuchten als Nonplusultra und als seriös. Das bedeutet aber zum einen nicht, dass alle dem VDH oder einem […]

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  2. Avatar von Wie bereite ich mich wirklich auf einen Hund vor? 10 Tipps – PunkrockPudel

    […] Hunde vom Züchter und Züchter selbst haben immer noch einen guten Ruf, obwohl dieser nicht immer gerechtfertigt ist.   […]

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  3. Avatar von Welche Fragen muss ich dem Züchter stellen? 10 Tipps – PunkrockPudel

    […] Art der Fütterung verrät dir zugleich etwas über den Züchter. Wurde von Anfang nur Trockenfutter gefüttert, dann aus Bequemlichkeit und nicht aus Verantwortung […]

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