Erste Hilfe TROTZ Hund

Erste Hilfe trotz Hund – du brauchst Hilfe, aber dein Hund lässt niemanden an dich heran? Du willst helfen, aber du wirst vom Hund des hilfebedürftigen Menschen nicht herangelassen? Erste Hilfe trotz Hund ist ein wichtiges Thema. Dennoch wird es in Erste-Hilfe-Kursen oftmals gar nicht thematisiert. Zeit, das zu ändern und Hunden, Hundehaltern und Ersthelfern mehr Sicherheit zu geben. PunkRockPudel und Sylvia Lauterbach aus der Rettungshundestaffel helfen dabei.

Erste Hilfe TROTZ Hund: eine Ausnahmesituation für alle

Mit Ausnahme von Sanitätern und Notärzten ist Erste Hilfe für alle eine Ausnahmesituation. Und selbst Sanitäter und Notärzte stehen immer wieder vor Herausforderungen, die sie ratlos machen oder schockieren und Überwindung kosten.

Wenn (ausgebildete) Menschen schon Probleme mit so manchem Notfall haben, versetz dich kurz in einen Hund, dessen Halter gerade das Bewusstsein verloren oder sich den Fuß gebrochen hat und vor Schmerzen schreit. Der Hund kann nicht den Notruf wählen oder den Betroffenen ins Krankenhaus fahren. Er ist ratlos, hilflos und in dem Moment ohne jedwede Hilfsmittel auf sich allein gestellt. Hunde können nicht googlen oder mal eben den Rat von Experten einholen, wie sie sich jetzt verhalten sollen.

Sowohl für den hilfsbedürftigen Menschen als auch für die Ersthelfer entstehen dadurch weitere Hürden und Risiken bei der Ersten Hilfe trotz Hund. Je besser du dich damit auskennst, desto sicherer kannst du für alle agieren.

Erste Hilfe TROTZ Hund: Mach, was möglich (und sicher) ist  

Beim Spaziergang hörst du ein lautes UMPF hinter der nächsten Kurve. Du gehst vorsichtig um die Baumgruppe und da liegt sie, eine blutende Frau mit Wunde am Kopf und Hund neben sich.

Der Hund fletscht die Zähne, knurrt, winselt, bellt, rennt um sein Frauchen, leckt sie, stupst sie an, fixiert dazwischen dich.

Und nun?

Du kannst nicht zu der Frau, das verhindert der Hund. Du hast Angst und bist ratlos. Vielleicht steigt sogar Panik in dir auf und du spielst mit dem Gedanken, umzudrehen und zu gehen. Dennoch kannst du sogar in dieser Situation als absoluter Laie sinnvoll und lebensrettend helfen – OHNE dich dabei in Gefahr zu bringen.

Wie?

Ruf Hilfe an und gib alle Informationen, die du hast. Das sind mehr als die meisten Menschen glauben.

Erste Hilfe TROTZ Hund: Die 5 wichtigen W-Fragen für Ersthelfer

  • Wo?

Damit Sanitäter und zusätzliche Helfer agieren können, müssen sie zuerst wissen, WO zu helfen ist. Gib deinen Standort also so genau wie möglich an.

  • Wer?

WER bist du, WER ist betroffen und WER ist noch dabei? Bist du allein mit der betroffenen Person oder sind noch mehr Erwachsene, Kinder und Tiere beteiligt?

  • Was?

WAS ist passiert? Handelt es sich um einen Autounfall, eine Ohnmacht im Supermarkt oder hast du einen verletzten Menschen auf dem Spaziergang gefunden?

  • Wie?

WIEviele Personen sind verletzt? Wenn du diese Frage nicht genau beantworten kannst – beispielsweise bei einem Autounfall mit unbekannter Anzahl an Insassen – beschreib die Lage so genau wie möglich. Das ist für Einsatzkräfte wichtig, um ausreichend Personal und Wagen zu schicken.

  • Warten?

Leg nicht sofort auf. Das ist gleich aus mehreren Gründen wichtig.

Erstens hast du damit eine andere Person zumindest als Ansprechpartner. Das wirkt beruhigend und ist eine große Hilfe. (Oder zumindest besser, als komplett allein zu sein.)

Zweitens können weitere Fragen bestehen, sowohl bei der Rettungsstelle als auch bei dir.

Das UAH-Prinzip der Ersten Hilfe trotz Hund

U – Unfallstelle sichern und Umstände aufnehmen

A – Anrufen und Antworten

H – Helfen trotz Hund

Wie sich das Helfen trotz Hund gestaltet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die folgenden Beispielfälle machen das deutlich.

Fall 1: Person bewusstlos – Hund da

  1. Bleib in sicherer Entfernung stehen und achte auf den Hund.

Kannst du ihn zu dir locken? Manche Hunde bewachen ihren Menschen, wollen ihn beschützen und halten daher andere Personen fern. Andere Hunde sind froh darüber, wenn sich ein helfender Mensch nähert und ihnen die Verantwortung abnimmt.

2. Sprich die Person an.

Eventuell hat sie zwar die Augen geschlossen, ist aber doch ansprechbar.

3. Anruf für Hilfe.

Informier die Rettungskräfte. Sag dabei, was du bisher weißt (Person bewusstlos, Ansprechen probiert, Hund dabei, eventuelle sichtbare Wunden).

4. Nähern oder warten.

Wenn du dich der Person trotz Hund nähern kannst oder der Hund sich von dir sogar abrufen lässt, sichere zunächst den Hund. Das heißt, binde ihn an Baum, Laternenpfahl oder Bank fest.

Ist das nicht möglich oder traust du dir das nicht zu, bleib in sicherer Entfernung stehen. Anderenfalls werden die Rettungskräfte bei ihrer Ankunft auch noch dich als Opfer versorgen müssen.

Fall 2: Person bewusstlos – Hund weg

Du findest eine bewusstlose Person mit Anzeichen dafür, dass sie einen Hund dabeihatte. Leine in der Hand, Leckerlis oder Hundespielzeug deuten darauf hin.

In diesem Fall ist ebenfalls zunächst Vorsicht geboten und du musst laut werden.

  1. Rufen

„Hallo? Ist da jemand? KOMM! HIER! Fuß!“

Hallo und ist da jemand gilt eventuell in der Umgebung befindlichen Menschen. „Komm, hier und Fuß“ sind ein Versuch, den Hund anzulocken. Kommt dieser nicht, kannst du dich der Person nähern.

2. Anrufen und Kontrollieren

Wähl den Notruf, Kontrollier die Atmung und den Puls der Person – sofern dir das möglich ist.

3. Leine sichern

Hat die Person eine Leine in der Hand oder neben sich liegen, leg diese für dich griffbereit hin.

Warum das zuerst? Weil der Hund durchaus noch aus dem Freilauf zurückkehren kann. Die Leine parat zu haben, ist aus zwei Gründen wichtig.

Zum einen kannst du einen freundlichen Hund anleinen, wenn er zurück kommt und von der Stelle entfernen. Dadurch räumst du das Feld für Rettungskräfte und schützt den Hund.

Zweitens hast du etwas zum Werfen bereit, wenn der Hund zurückkommt und nicht freundlich ist, sondern seinen Halter beschützen will.

4. Nach Bedarf helfen

Die Umgebung ist gesichert, der Anruf für Hilfe gesetzt – nun kannst du aktiv der Person helfen, die bewusstlos ist.

Fall 3: Person bei Bewusstsein – Hund da

Ein Sturz beim Gassi oder bei einer Wanderung reicht aus, um aus einem fitten Menschen einen fußlahmen zu machen. Oder jemanden, der Hilfe bei der Wundversorgung benötigt.

  1. Sprich den Menschen an und frag nach.

„Brauchen Sie Hilfe?“

„Soll ich den Notruf wählen?“

„Können Sie Ihren Hund so sichern / ablegen / wegnehmen, dass ich Ihnen helfen kann?“  

2. Notruf und/ oder Hundebetreuung informieren

Ist der Einsatz von Rettungskräften nötig, informier diese bitte darüber, dass auch ein Hund betreut werden muss.

Bestenfalls kann dir die betroffene Person dafür Ansprechpartner nennen oder führt eine Notfallkarte mit Telefonnummern mit.

3. Hund sichern, Hilfe leisten

Auch hier gilt wieder: Mach, was möglich ist. Bring dich nicht selbst in Gefahr.

Fall 4: Person bei Bewusstsein – Hund weg

Verletzt sich ein Hundehalter und rennt der Hund dabei weg oder kommt aus dem Freilauf nicht zurück, gilt die Sorge der meisten Hundehalter vor allem dem Hund – nicht sich selbst.

  1. Setz einen Notruf ab

Und informier die Rettungskräfte darüber, dass ein freilaufender Hund in der Umgebung ist.

2. Gib dem Menschen Sicherheit

„Wir kümmern uns erstmal um Sie und suchen dann Ihren Hund.“ – jeder Hundehalter weiß, so richtig beruhigend ist das nicht, selbst, wenn einem der eigene Fuß abfällt.

Sei also lösungsorientierter: „Kann ich jemanden anrufen, der bei der Suche hilft und sich dann um Ihren Hund kümmert?“

Ob Eltern, Partner, Kinder, Freunde oder der vertraute Hundesitter: Die Aussicht darauf, dass sich jemand kümmert, der den Hund ebenfalls liebt, kann die Aufregung durchaus etwas senken.

3. Versorgen und ablenken

Falls möglich, versorg die Person und stell ihr Fragen über ihren Hund. Wie heißt er, woher kommt er, wie alt ist er, welche Rasse, welche liebste Angewohnheit?

Zum einen bringst du damit in Erfahrung, nach welchem Hund gesucht werden muss und womit du rechnen musst, sollte er während der Ersten Hilfe zurückkommen – Rottweiler oder Prager Rattler, das ist in vielerlei Hinsicht ein enormer Unterschied.

Zum anderen hältst du die Person damit bei Bewusstsein und lenkst sie etwas ab.

Erste Hilfe TROTZ Hund für Hundehalter: Beug Notfällen vor

Jeder Hundehalter ist nur einen Sturz oder sonstigen Unfall davon entfernt, selbst Erste Hilfe zu brauchen.

Neben der ersten Hilfe beim Hund ist es daher für uns Dosenöffner ebenfalls wichtig, unsere Hunde auf Erste Hilfe bei uns vorzubereiten.

  • Richtige Sicherung:

Niemand kann zu 100 Prozent vorhersagen, wie ein Hund im Fall der Fälle reagiert. Er kann die Flucht ergreifen, unter sich machen oder dich beschützen wollen und dazu seine Zähne einsetzen.

Wenn er aber ohnehin die Tendenz hat, nach vorne zu gehen: Gewöhn ihn an einen gutsitzenden Maulkorb.

Ist der Maulkorb individuell angepasst und leicht im Gewicht, kann sein Tragen mit dem Tragen einer Brille verglichen werden.

  • Sichere deinen Hund im Auto korrekt:

Am besten in einer Hundebox aus stabilem Metall, die bei einem Unfall den Hund und Ersthelfer zugleich schützt.

  • Lass die Leine lieber dran:

Freilauf ist großartig – WENN der Rückruf sitzt, es dir gut geht und nichts passiert. Bist du aber ohnehin schon angeschlagen, lass deinen Hund lieber an der Leine.

Natürlich plant niemand, dass er heute auf dem Spaziergang stürzt oder beim nächsten Gassi umfällt. Geht es dir aber schon beim Start zum Gassi nicht gut, lass die Leine am Hund, beschränk die Runde auf das Nötigste, sag jemandem Bescheid oder gib den Gassigang ab.

  • Gib Bescheid:

Du willst zur Wanderung aufbrechen oder einen ausgedehnten Spaziergang weit weg unternehmen? Informier jemanden darüber. Sollte etwas passieren, werden du und dein Hund dadurch einfacher zu finden.

  • Notfallkarte einstecken und Nummer am Hund:  

Eine Notfallkarte weist dich als Hundehalter aus. Deine Telefonnummer am Hund macht es einfacher, ihn zuzuordnen. Ob du alleine unterwegs bist und dein Hund versorgt werden muss oder du gerade nicht in der Lage bist ihn festzuhalten: du trägst damit zu seiner Sicherheit bei.

Erste Hilfe trotz Hund ist eine Herausforderung

Genau aus diesem Grund ist es wichtig, sich darüber zu informieren und regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse zu absolvieren, bei denen auch dieses Thema behandelt wird.

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