Wurfgeschwister nehmen oder nicht? Vorteile, Nachteile und Tipps

Du möchtest zwei Welpen aufnehmen? Dann solltest du vorher alle Vorteile und Nachteile kennen, die mit zwei Wurfgeschwistern oder gemeinsam aufwachsenden Welpen einhergehen. Hier verrate ich dir aus 40 Jahren mit Wurfgeschwistern, wie du das Littermater-Syndrom vermeidest und mit zwei Hundegeschwistern glücklich wirst.

  1. Gründe für Vorwurfgeschwister – und was damit einhergeht
    1. Zwei Wurfgeschwister leisten sich Gesellschaft: Alleinbleiben wird einfacher
    2. Mit zwei Welpen ist für Beschäftigung gesorgt
    3. Zwei Wurfgeschwister fühlen sich sicherer – immer ein Freund an der Seite
    4. Welpenerziehung: richtig anstrengend, aber mit einem Abwasch erledigt
    5. Wurfgeschwister aufnehmen: mehr Zeitaufwand auf der einen, Zeitersparnis auf der anderen Seite
    6. Zwei Welpen auf einmal = Blödsinn im Quadrat
  2. Wurfgeschwister-Syndrom – hier ist Vorbeugung gefragt
    1. Mit Wurfgeschwistern schneller Konzentration aufs Wesentliche
    2. Probleme bei Wurfgeschwistern: Denk an die Pubertät!
    3. Höhere Kosten und höhere Gefahren
  3. Wurfgeschwister aufnehmen – nicht für jeden empfehlenswert

Gründe für Vorwurfgeschwister – und was damit einhergeht

Es gibt viele und ja auch gute Gründe dafür, zwei Welpen aus einem Wurf aufzunehmen. Darunter:

  • dein Partner und du oder deine Familie wollen mehrere Hunde halten
  • du möchtest, dass sich die Welpen Gesellschaft leisten
  • du willst mehrere Hunde halten, aber die Welpenphase nicht in kurzer Zeit wiederholen

Weil sie niedlich sind und weil du dich nicht entscheiden kannst, sind hingegen keine guten Gründe. Zudem solltest du bei der Auswahl der Wurfgeschwister und bei ihrer Aufzucht auf einiges achten.

Zwei Wurfgeschwister leisten sich Gesellschaft: Alleinbleiben wird einfacher

Einer der häufigsten Gründe dafür, zwei Welpen aufzunehmen, ist das Alleinbleiben. Viele Hunde haben damit ein großes Problem, vor allem am Anfang, wenn sie abrupt von Mutter und Geschwistern getrennt werden. Entscheidest du dich für Wurfgeschwister, ist das Problem gelöst! Oder?

In der Realität hast du dafür keine Garantie. Zwar stehen die Chancen gut, dass Wurfgeschwister besser mit deiner Abwesenheit zurechtkommen als ein Welpe allein. Um das Alleinbleib-Training, Kontrollen, wie es funktioniert und notfalls eine Betreuung kommst du jedoch nicht herum.

Denn es besteht die Gefahr, dass ein oder beide Vierbeiner Stress und Angst erleben, wenn du sie verlässt und in deiner Abwesenheit tatsächlich etwas gemeinsam tun: sich in den Stress und in die Angst reinsteigern. Bellen im Duett und auch die Zerstörung der Wohnung im Doppelpack sind leider nicht ausgeschlossen.

Mit zwei Welpen ist für Beschäftigung gesorgt

Nichts macht einen Welpen so angenehm müde wie ein anderer Welpe. Das gemeinsame Spielen, Erkunden und Entdecken, Toben, Rennen und Balgen trainiert die Muskulatur, die Ausdauer, die Koordination und beschert deinen Hunden eine verlässliche, positive Auslastung. Mehrmals täglich.

Schaust du bei einem Züchter für längere Zeit und genau hin, fällt dir auf, dass die Welpen teilweise stundenlang miteinander spielen. Mal geht es wild zur Sache. Mal klauen sie sich vorsichtig und liebevoll das Spielzeug. Mal sind sie gerade eben noch gerannt und dann abrupt ins Koma gefallen. Diese Art der Beschäftigung kannst du als Mensch einfach nicht ersetzen. Ganz egal, wie viel Mühe du dir gibst und wie oft du Playdates mit anderen Hunden und Welpenstunden in der Hundeschule einplanst – ein Spielgefährte zu Hause ist für alle Hunde in jedem Alter eine Bereicherung.

Zwei Wurfgeschwister fühlen sich sicherer – immer ein Freund an der Seite

Zieht ein Welpe ein, wird er dafür von seiner Familie und von allem Vertrauten getrennt. Selbst dann, wenn der Züchter viel Vorarbeit geleistet hat, ist das traumatisch. Sich im neuen Heim einzufinden, Vertrauen und eine Bindung aufzubauen fällt manchen Hunden relativ einfach. Andere brauchen dafür sehr lange und viel Fingerspitzengefühl ihres Menschen.

Nimmst du Wurfgeschwister oder zwei Hunde auf, die sich vertraut sind und aneinander hängen, ist keiner der Vierbeiner allein. Die Eingewöhnung verläuft daher oftmals einfacher und schneller. An der Bindung zu deinen Hunden musst du dennoch arbeiten. Gerade bei Welpen ist das wichtig, wenn du kein Wurfgeschwister-Syndrom riskieren willst.

Welpenerziehung: richtig anstrengend, aber mit einem Abwasch erledigt

Das Leben als Welpe (in einer neuen Familie) ist anstrengend. Stubenreinheit lernen, die Eingewöhnung im Neuen Zuhause, eine Bindung zu dir aufbauen, die Hausregeln begreifen und ganz nebenbei Tag für Tag neue Reize erleben und verarbeiten – darüber gerät schon mal in Vergessenheit, dass Blase oder Darm gerade drücken, Möbel nicht zum Kauen gedacht sind und in der Nacht lange zu schlafen fällt auch schwer.

Die erste Zeit mit einem Welpen ist auch für dich anstrengend. Du musst penibel darauf achten, dass dein Welpe weder über- noch unterfordert wird. Musst ihm Stubenreinheit vermitteln, wirst nachts des Öfteren geweckt und wirst dich selbst sehr oft „nein“ sagen hören. Manchmal gefolgt von Flüchen.

Es nicht zuletzt diese Anstrengung, die bei neuen Hundehaltern oftmals zum Welpenblues führt.

Jetzt multiplizier diese Anstrengung wenigstens mit 3, wenn du Wurfgeschwister aufnehmen willst. Bereits die Erziehung zur Stubenreinheit ist deutlich schwieriger, wenn du auf zwei Welpen achten musst. Hinzu kommt der separate Bindungsaufbau, separate Gassigänge und separate Erziehungseinheiten. Denn auf diese musst du achten, um das Wurfgeschwister-Syndrom zu vermeiden.

Aus Erfahrung kann ich dir sagen: Es ist anstrengend. Manchmal könntest du dich zweiteilen und wärst noch immer nicht schnell genug, um Unfälle zu vermeiden. Manchmal hast du schon 30-mal nein zu einem gesagt und der andere findet es just in dem Moment lustig, sich das unerwünschte Verhalten abzuschauen und die nächsten 50 Ermahnungen zu provozieren.

Aber: Möchtest du ohnehin zwei Hunde halten, hast du mit Wurfgeschwistern einen entscheidenden Vorteil. Du erledigst die Erziehung in einem Abwasch. Statt in zwei oder drei Jahren erneut einen Welpen zu erziehen und somit von vorne mit weiteren Herausforderungen zu beginnen, sind deine Hunde gleichzeitig jung, aber auch gleichzeitig erzogen und im besten Alter.

Wurfgeschwister aufnehmen: mehr Zeitaufwand auf der einen, Zeitersparnis auf der anderen Seite

In dem Artikel: „Wurfgeschwister aufnehmen: darauf musst du achten“ erhältst du praktische Tipps dazu, das Wurfgeschwister-Syndrom sicher zu vermeiden. Auch ohne diese bedeuten zwei Welpen und später zwei Hunde einen größeren Zeitaufwand als ein Vierbeiner. Verantwortlich sind zum Beispiel:

  • einzelne Sozialisierung
  • Erziehung
  • Fellpflege
  • separate Gassirunden
  • Zahnpflege

Natürlich musst du mit deinen Wurfgeschwistern nicht alles getrennt machen. Getrennte Erlebnisse sind jedoch wichtig und bei einigen Sachen hast du immer den doppelten Aufwand.

ABER: Bei einigen Dingen fällt der Aufwand auch deutlich geringer aus.

Viele Hundehalter sind immer wieder auf der Suche nach passender hündischer Gesellschaft für ihren Vierbeiner. Du hast mit deiner Entscheidung für Wurfgeschwister bereits dafür gesorgt. Zwar sollten deine Hunde andere Hunde kennenlernen und mit ihnen kommunizieren können. Während andere Hundehalter aber Welpenstunden, Playdates, Hundewiesen und Social Walks suchen, sich an Termine halten und nicht zuletzt immer wieder ordentlich dafür bezahlen müssen – musst du dir weder Sorgen um die soziale Isolierung deiner Hunde machen, noch Geld für Kontakte bezahlen.

Du sparst damit also Zeit, Geld und Aufwand.

Zwei Welpen auf einmal = Blödsinn im Quadrat

Ein Welpe kann in kürzester Zeit ein wirklich schön dekoriertes Zimmer in ein Bild der Zerstörung verwandeln. Angenagte Möbel, Tapetenstücke, die ehemals mit der Wand verbunden waren, ausgebuddelte Zimmerpflanzen und zerfetzte Kissen können schon mal vorkommen.

Für gewöhnlich treten sie dann auf, wenn bisher absolut nichts vorkam und du dich in Sicherheit gewogen hast.

Hast du gleich zwei Welpen, solltest du schneller und stärker damit rechnen. Fängt einer an, zieht der andere in der Regel mit. Aus einem harmlosen Spiel kann sich ein Wettstreit des Zerreißens entwickeln. In deiner Abwesenheit solltest du deine Wurfgeschwister daher lieber in einem wirklich welpensicheren Raum lassen.

Und dich auch ansonsten darauf einstellen, dass sich deine Wurfgeschwister Blödsinn voneinander abschauen, gleichzeitig auf dumme Ideen kommen und der eine sich vom anderen mitreißen lässt. Das ist zwar manchmal ausgesprochen unterhaltsam. Manchmal aber auch nervig, ärgerlich, frustrierend, teuer und für deine Hunde reinweg gefährlich.

Wurfgeschwister-Syndrom – hier ist Vorbeugung gefragt

Das Littermate-Syndrom wird häufig als unumstößlich dargestellt, wenn du zwei Welpen aus dem gleichen Wurf aufnehmen willst. Die Wahrheit über das Wurfgeschwister-Syndrom ist: Du kannst es sehr einfach vermeiden. Am Anfang bedeutet es mehr Aufwand, doch zahlt dieser sich wirklich aus.

Was nach einem Nachteil klingt, ist für mich ein versteckter Vorteil. Ich habe mit Welpen im Doppelpack rasant gelernt, bin belastbarer geworden und finde es trotz des zeitlichen Mehraufwands mittlerweile einfacher, mehr als einen Welpen gleichzeitig zu haben. Dafür zeigt sich unter anderem der nächste Punkt verantwortlich:

Mit Wurfgeschwistern schneller Konzentration aufs Wesentliche

Vor allem – aber nicht nur – Ersthundehalter neigen zum Perfektionismus und dazu, zu schnell viel zu viel zu erwarten. Alleinbleiben, Sitz, Platz, Bleib, Leinenführigkeit, sicherer Rückruf, perfekte Tischmanieren und die ersten 93 Ausflüge wollen viele innerhalb der ersten Wochen abhaken. Der Welpe soll drinnen möglichst nie hinterherlaufen, seinen Menschen draußen aber nie aus den Augen lassen, zu Hause in Tiefschlaf fallen und nur sehr genau dosiert spielen.

Mit Wurfgeschwistern bist du dazu gezwungen, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das entspannt die Situation ungemein und bringt dich dazu, realistische Ziele zu setzen.

ABER: Das funktioniert nur, wenn du deine Vorstellungen und Erwartungen auch wirklich mit der Realität abgleichst. Welpen und Junghunde müssen am Anfang nichts anderes, als eine Bindung zu dir aufbauen und sich im Alltag zurechtfinden. Sie sollen andere nicht belästigen und nichts zerstören. Geschäfte draußen zu verrichten, ist auch noch nett.

Schon das allein ist eine ganze Menge. Bei Wurfgeschwistern kommst du fast nicht umhin, dich nur auf das wirklich Wichtige zu fokussieren. Dadurch gehst du für deine Hunde logischer und angenehmer vor und erzielst deutlich schneller nachhaltige Erfolge.

Probleme bei Wurfgeschwistern: Denk an die Pubertät!

Du hast bei der Auswahl deiner Wurfgeschwister auf alles geachtet, das Littermate-Syndrom erfolgreich vermieden und gerade als du dich in Sicherheit wiegst, fängt sie an: die Pubertät.

Waren die zwei Hunde bisher ein Herz und eine Seele, ist das leider kein Garant dafür, dass sich die zwei Pubertiere in der hormonell belasteten Zeit immer noch leiden können. Du musst mit Reibereien und Aggressionen rechnen. Durch das Trennen in deiner Abwesenheit und erneutes Lernen der goldenen Hausregel (wir bringen uns nicht um), kann sich der Zustand wieder normalisieren.

An dieser Stelle behaupten viele Menschen, das Problem trete allein bei Wurfgeschwistern auf oder sei bei ihnen besonders stark ausgeprägt. Das kann ich nicht bestätigen. Auch wenn ein einzelner Welpe zu einem erwachsenen Hund kommt, stellt die Pubertät bei manchen Vierbeinern reichlich auf den Kopf und erfordert gegebenenfalls Vorsicht.

Höhere Kosten und höhere Gefahren

Wie generell bei der Mehrhundehaltung musst du dir der höheren Kosten bewusst sein, die nicht nur bei der Anschaffung auftreten. Hinzu kommen auch höhere Gefahren, wenn sich deine Vierbeiner in die Wolle bekommen oder gemeinsam andere aufmischen wollen. Allerdings gilt auch hier wieder: Wurfgeschwister unterscheiden sich an dieser Stelle nicht von Hunden aus unterschiedlichen Würfen oder in unterschiedlichen Altersstufen. Dabei geht es schlicht um die Mehrhundehaltung.

Zusammen jung, zusammen alt: wenn einer vorm anderen geht

Wurfgeschwister sind zusammen jung, zusammen im besten Alter und schließlich zusammen alt. Das kann bedeuten, dass beide gesteigerte Pflege benötigen, häufiger und höhere Tierarztrechnungen anfallen oder ein Hund vorm anderen geht. Manche kommen damit gut zurecht. Andere leiden schwer und lange unter dem Verlust.

Unter anderem aus diesem Grund ist es so wichtig, dass beide Hunde eine gute Bindung zu dir haben und zusätzlich nicht nur ihren Bruder oder ihre Schwester kennen.

Wurfgeschwister aufnehmen – nicht für jeden empfehlenswert

Viele Menschen sind mit einem Welpen bereits am Rande der Überforderung oder vollkommen überfordert. Viele leiden am Welpenblues. Bevor du dich für Wurfgeschwister entscheidest, solltest du daher zum einen Erfahrung sammeln und zum anderen ehrlich zu dir selbst sein. Hast du ausreichend Zeit oder gehört dir ein Welpe und einem Familienmitglied oder deinem Partner der andere? Hast du ausreichend finanzielle Mittel, Geduld, Nervenstärke und Unterstützung?    

Erst, wenn du diese Fragen mit einem überzeugten und nachweislich richtigen „Ja“ beantworten kannst, solltest du zwei Wurfgeschwister aufnehmen. Denn die gleichzeitige Erziehung und Sozialisierung von Welpen im Doppelpack ist durchaus nicht für jeden geeignet.

Hinterlasse einen Kommentar