„Der Hund ist von Natur aus so ausgerüstet, dass er eines Bades nicht bedarf.“ Diesen und ähnlichen Schwachsinn findest du online, in Hundebüchern und sogar als Aussage von Tierärzten. Hier erfährst du, warum die Aussage nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich ist.
Warum es falsch ist, Hunde nicht zu baden
„Der Hund muss nicht gebadet werden, Wölfe baden schließlich auch nicht!“
So oder so ähnlich wird das fehlende Baden von einem Hund immer wieder begründet. Angeblich sind Haut und Fell selbstreinigend. Angeblich schadet Baden der Haut und ruft unzählige Probleme hervor.
Diese Aussagen sind nicht nur falsch, auch wenn sie wieder und wieder perpetuiert werden – sie können sogar der Gesundheit deines Hundes schaden. Höchste Zeit also, um mit diesem Blödsinn aufzuräumen!
Dazu schauen wir uns die vermeintlichen Argumente einmal genauer an:
Der Hund ist kein Wolf
Hunde sind nicht „naturgemacht“, und zwar mit dem Wolf verwandt, aber keine Wölfe. Sie haben sich nicht durch Anpassung an die Umgebung entwickelt, sondern durch menschengemachte Zucht.
Anders als beim Wolf gibt es keine natürliche Selektion. Stattdessen werden Hunde miteinander verpaart, deren Eigenschaften Menschen gefallen.
Das ist einer der Gründe dafür, warum wir keine Yorkshire Terrier als Rudel durch Wälder ziehen sehen und auch natürlich vorkommende Mops Meuten eher selten vorkommen.
Dennoch beharrlich darauf zu pochen, dass Hunde nicht gebadet werden müssen, weil Wölfe kein Shampoo benutzen, ist sinnbefreit.
Hast du schon mal Schimpansen, Gorillas oder Orang-Utans dabei beobachtet, wie sie unter einer Dusche stehen oder sich die Zähne putzen? Nein? Warum um alles in der Welt machst du das dann täglich?
Das ist das Level, auf dem der Vergleich zwischen Hund und Wolf liegt.
Welchen Hund badet man nicht?
Bereits ein Blick auf die weitverbreiteten Rassen wirft eine wichtige Frage auf: Von welchen Hunden reden wir hier?
Von einem glatt- und kurzhaarigen Beagle? Von einem gelockten Pudel? Schäferhund? Golden Retriever? Von einem Husky? Deutsch Drahthaar? Sprechen wir von den Fellmassen mancher Berner Sennenhunde? Oder von dem dünnen und seidigen Fellkleid eines Yorkshire Terriers? Reden wir von Trimmfell oder Scherfell?
So unterschiedlich die Rassen sind, so unterschiedlich sind auch die Fellvarianten und damit die Ansprüche an die Pflege. Die pauschale Aussage, dass Hunde nicht baden müssten, ist daher vor allem falsch und sogar absurd.
Denn jeder, der auch nur die gängigen Rassen kennt, erkennt ihre Unterschiede auf den ersten Blick.
Manche kommen tatsächlich gut mit Ausbürsten und gelegentlichem Abwaschen zurecht. Schmutz fällt nach dem Trocknen problemlos von allein aus dem Fellkleid. Bei anderen ist an den Bedarf angepasstes Baden zwingend nötig, um das Fell sauber und gepflegt und die Haut gesund zu halten.
Dennoch hält sich der Quatsch um das Badeverbot für Hunde leider hartnäckig.
Welcher Schmutz?
Wölfe haben zum einen angepasstes Fell. Zum anderen sind sie vollkommen anderen Einflüssen ausgesetzt als Hunde. Laub und Erde am oder im Fell zu haben, ist unproblematisch.
Und Hunde, die in der Stadt oder zumindest städtisch leben?
- abgesetzte Abgase
- Treibstoffreste
- Müll
- konzentrierte Exkremente
- Streusalz
- Dünger
Nicht nur, dass sich durch den vollkommen anderen Schmutz Rückstände im Fell bilden. Die Substanzen belasten auch die Haut und sind gesundheitlich bedenklich, wenn sie abgeleckt werden.
Manche Fellvarianten nehmen den Schmutz stärker an als andere. Daher variieren die Abstände zwischen dem Baden und der Aufwand dafür.
Zugleich lassen sich die Einflüsse in städtischen Bereichen nicht vermeiden. Weswegen du nicht auf die gründliche und regelmäßige Reinigung von Haut und Fellkleid verzichten solltest.
Oftmals wird angeführt, dass ein Bad der Haut des Hundes schadet, den pH-Wert stört und gesundheitliche Probleme hervorbringen kann.
- Bei leichten Verschmutzungen oder zum Auffrischen reicht es vollkommen aus, lauwarmes Wasser zu verwenden und auf Shampoo zu verzichten. Da Hunde sich für gewöhnlich auch beim Schwimmen nicht auflösen oder mit Hautproblemen enden, ist diese Variante des Badens unbestreitbar sicher.
- Hochwertige Hundeshampoos sind speziell darauf ausgelegt, Haut und Fell gründlich, aber sanft zu reinigen und dabei den pH-Wert nicht zu stören.
- Unzählige Hundehalter müssen ihre Hunde regelmäßig baden und scheren oder trimmen, damit sich das Fell nicht in Filz verwandelt. Würde es ein realistisches Risiko darstellen, wären all diese Hunde in dauerhafter Behandlung wegen Hautproblemen. Das trifft jedoch in keinem Fall zu, solange die richtigen Mittel eingesetzt werden.
Vorteile durch regelmäßiges Hundebad
Wer behauptet, Hunde dürfen nicht gebadet werden, hat sich nicht eingehend mit dem Thema beschäftigt. So viel ist bereits klar. Das fehlende Wissen reicht allerdings bis hin zu den Vorteilen der umfassenden und gründlichen Pflege, die geflissentlich ignoriert werden.
- Bürsten reicht nicht immer aus: Zum einen lassen sich hartnäckige Rückstände oder feine Filme nicht allein mit einer Bürste entfernen. Zum anderen gibt es Fellvarianten, die ohne das regelmäßige Abwaschen von Hautfetten und sonstigen Verschmutzungen stark zum Filzen neigen. Ohne die Kombination aus Bürsten, Baden und Föhnen oder Blowern entstehen bei ihnen häufig Knoten oder ganze Filzplatten.
- Haut wird befreit: Hautfette sind wichtig. Sie schützen die Hundehaut. Aber: Durch das moderne Leben, Fertigfutter, Krankheiten oder Medikamente sowie Stress kann die Produktion überhandnehmen und die Haut regelrecht ersticken. Eine zu dicke Schicht ist belastend und der Nährboden für Keime. Wärme wird gestaut und die Gefahr für Reizungen, Hot Spots und Infektionen steigt.
- Risiko für Krankheiten sinkt: Beim gründlichen Abwaschen von Rückständen und bedenklichen Substanzen fällt oftmals erst auf, was sich bisher unbemerkt im Fell angesammelt hat. Auch ein Unterschied zwischen Landhunden und Stadthunden ist offensichtlich. Während bei Hunden, die vorrangig in der Natur unterwegs sind, meist nur Talg und Erde im Badewasser landen, ist bei Stadthunden oftmals mehrmaliges Shampoonieren nötig, bis sämtliche Ablagerungen entfernt sind. Hierfür ist die vollkommen andere Zusammensetzung des Schmutzes verantwortlich. Das zeigt deutlich, dass er weder trocknet und abfällt noch ausgebürstet werden kann und auch Wasser allein reicht nicht für die Reinigung von Fell und Haut aus. Bleibt er am Hund, können Krankheiten die Folge sein.
- Fellpflege wird vereinfacht: Beim Bürsten, Baden und Blowern werden Verschmutzungen und lose Haare deutlich gründlicher entfernt als beim bloßen Bürsten. Zudem wird auch das anschließende Bürsten leichter, was die Fellpflege generell vereinfacht.
- Hygiene steigt: Ein bisschen Staub im Fell ist die eine Sache. Parasiten, Abgase, Rückstände von Kot und Urin, Streusalz und Co. sind eine andere. Baden nach Bedarf schafft hygienischere Umstände, die Hund und Mensch zugutekommen.
Für diese Vorteile musst du nur auf wenige Punkte achten:
Den Hund richtig baden
Beim Baden von Hunden musst du ein paar Grundsätze beachten, damit es zum einen sicher ist und zum anderen möglichst schnell und einfach abläuft.
So oft wie nötig, so selten wie möglich. Die wenigsten Hunde müssen wöchentlich oder mehrfach monatlich gebadet werden. Selbst bei Scherfell reicht ein Bad alle vier bis sechs Wochen aus.
Achte auf die Temperatur. Weder kaltes noch heißes Wasser schaffen eine angenehme Erfahrung für deinen Vierbeiner.
Schaffe Standsicherheit. Verwende in Wanne oder Dusche eine Antirutschmatte oder ein Handtuch, damit dein Hund auf dem nassen und glatten Untergrund nicht ausrutscht und sich nicht verletzt.
Wähle ein hochwertiges Hundeshampoo oder lass dich beraten. Züchter deiner Rasse und gute Groomer sind dafür die richtigen Anlaufstellen.
Schütze Augen, Ohren und Nase. Weder Wasser noch Schaum sollten eindringen können.
Spüle das Shampoo gründlich aus. Seifenreste reizen die Haut. Nimm dir daher Zeit für das gründliche Ausspülen.
Trockne das Fell richtig. Kurzes Fell kann im Sommer nach dem Ausdrücken mit einem Handtuch problemlos an der Luft trocknen. Im Winter sowie bei dichtem und langem Fell solltest du einen Föhn oder einen Blower verwenden, um es restlos zu trocknen.
Gewöhne deinen Hund geduldig, vorsichtig und am besten von Anfang an an das Baden. Dadurch wird die Pflege deutlich einfacher für euch beide.
Falls du zum ersten Mal einen Hund badest oder Probleme dabei hast, schau dir Tricks von Groomern ab oder wähle einen guten Hundefriseur, der dir die Arbeit abnimmt.

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